Bildungszentrum Kenyongasse
Schwestern vom göttlichen Erlöser

06.07.2017

Raum-Im-Raum-Architektur. Zwischen sakralem Schrein und Museumsdesign

Im Projekt „Raum-in-Raum-Architektur“ in Zusammenarbeit mit dem Dommuseum Wien entwickelten Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen „Schreine“ für ihr "Persönliches Heiligtum". Dabei arbeiteten Gruppen aus dem Technischen und dem Textilen Werkunterricht zusammen und unterstützten sich gegenseitig mit dem Werk-Know-How, das sie in den letzten 4 Jahren gesammelt haben.

In einer intensiven Beschäftigung mit dem Dommuseum und dem Stephansdom entdeckten und erforschten die SchülerInnen, wie Architektur auf den Menschen wirken, wie sie Botschaften transportieren und unsere Aufmerksamkeit lenken kann.

Dabei wurden sie von mehreren ExpertInnen begleitet:

  • Mit Domarchivar Reinhard Gruber erkundeten sie die Architektur des Stephansdoms und spürten der Bedeutung besonderer Bau-Elemente nach.
  • Dem Dombildhauer Philipp Stastny entlockten sie Geheimnisse der Bautechnik des in Teilen beinahe 900 Jahre alten Gotteshauses entlocken. Sie besuchten die Steinmetz-Werkstätten und erklommen den Dachstuhl des Doms, der viel Erstaunliches in sich birgt.
  • Mit Kulturvermittlerin Pia Ratzenberger nahmen sie kostbare Reliquien des Domschatzes genauer unter die Lupe. Verblüfft stellten sie dabei fest, dass so manches christliche Heiligtum in kunstvoll gestalteten Behältern aus dem arabischen Kulturkreis aufbewahrt wurde.
  • Einblicke in das architektonische und inhaltliche Konzept des noch nicht öffentlich zugänglichen Dommuseums gewährte ihnen die Leiterin der Vermittlungsabteilung Katja Brandes.

Inspiriert von architektonischen, künstlerischen und Design-Formen aus Dom und Museum entwickelten die SchülerInnen ihre ganz persönliche "Raum-im-Raum-Architektur". Unter dem Motto "Ein Schrein für mein persönliches Heiligtum" stellten sie sich die Frage, was sie selbst denn als besonders kostbar, (vor Blicken oder Händen) schützenswert oder gar "heilig" empfinden. Sie verbanden dabei textile und technische Materialien und Arbeitsweisen und unterstützten sich gegenseitig mit ihren jeweiligen Werk-Kenntnissen und -Fertigkeiten. Im Herbst 2017 werden die Werke der SchülerInnen im Atelier des Dommuseums öffentlich präsentiert.

Mit diesem Projekt begann für die SchülerInnen noch vor der Wiedereröffnung des Dom Museums Wien eine intensive Auseinandersetzung mit diesem spannenden Ort. Er wird ein Ort des Dialogs sein - zwischen Kunst, Religion(en) und Gesellschaft, zwischen Himmel und Erde, zwischen Historischem und Aktuellem. Bald werden hier mittelalterliche Schätze des Wiener Stephansdoms neben avantgardistischen Kunstwerken aus der Sammlung Otto Mauer und zeitgenössischer Kunst präsentiert. Und eben auch die Werke der SchülerInnen selbst.

(Text: Helga Ennemoser, Michaela Götsch, Katja Brandes; Foto: Michaela Götsch, Katja Brandes, Abanob Asaad)