Bildungszentrum Kenyongasse
Schwestern vom göttlichen Erlöser

06.07.2016

Goldenes Kleeblatt

Habt ihr schon einmal von dem Literaturwettbewerb „Goldenes Kleeblatt gegen Gewalt“ gehört?

Jährlich ruft das Forum „Gewaltfreies Burgenland“ den Literaturwettbewerb „Goldenes Kleeblatt gegen Gewalt“ aus, an dem Menschen jeden Alters aus ganz Österreich, aber auch aus dem Ausland, teilnehmen können.

„Gewaltfreies Burgenland“ setzt seit zehn Jahren Aktivitäten für eine gewaltfreie, friedvolle Gesellschaft. Ihre Vision ist die Schaffung von Friedensländern. Diese Friedensländer sollen überall dort entstehen, wo sich Menschen in ihrem Bereich für ein tolerantes, wertschätzendes und dadurch friedvolles Miteinander einsetzen. Diese Menschen sollen sich als BürgerInnen und gleichzeitig als BotschafterInnen der Friedensländer fühlen können, egal welcher Ethnie, Konfession oder Nationalität.

Meine Oma hat mich auf diesen Wettbewerb aufmerksam gemacht, da ich ein Talent fürs Geschichten schreiben habe. Ohne mir allzu große Hoffnungen zu machen, habe ich Anfang Dezember letzten Jahres meine Kurzgeschichte zum Thema „Menschlichkeit zuerst“ abgeschickt.

Umso überraschter war ich, als mir im Februar mitgeteilt wurde, dass ich einen Sonderpreis in der Kategorie „Bester Beitrag von jungen AutorInnen“ gewonnen habe. Insgesamt wurden nur zehn von 300 eingesendeten Werken prämiert.

Meine Familie freute sich für mich sehr und kam selbstverständlich zur Preisverleihung am 24.Mai 2016 in der KUGA Großwarasdorf mit. Die Preise wurden von Landesrätin Verena Dunst und vom Kinder- und Jugendanwalt Christian Reumann übergeben. Prämiert wurden wir mit dem Goldenen Kleeblatt, einer Urkunde und einem Sachpreis im Wert von 150 Euro.

Es war ein sehr tolles Erlebnis, dass mir immer in Erinnerung bleiben wird! Dieses Jahr findet der Literaturwettbewerb unter dem Motto „Wie die Menschen aufhörten Kriege zu führen…“ statt. Wenn du Lust hast mitzumachen, dann nichts wie ran. Wer weiß, vielleicht gewinnst du ja den nächsten Preis.

Michelle Brenner, 4A

 

Menschlichkeit zuerst 

Die Glocke ertönt, als ich den Laden verlasse. Vor dem Geschäft mit der üppigen Auslage bleibe ich stehen, um den soeben erworbenen Gegenstand noch einmal genauer zu betrachten. Es ist ein mit Ornamenten verziertes Windlicht. Genau das richtige Geburtstagsgeschenk für meine Mutter. Es wird sie an unsere alte Heimat erinnern und hoffentlich etwas fröhlicher stimmen. Die letzten Wochen waren nicht einfach für meine Familie.

Der Herbstwind wird stärker und lässt braune und rote Blätter durch die Luft wirbeln. Ich ziehe den Zipp meiner Jacke noch weiter nach oben und möchte meinen Heimweg fortsetzen, als ich ein lautes Knacken hinter mir gefolgt von einem unheimlichen Kichern höre. Erschrocken fahre ich herum und sehe drei Jungen ein paar Meter entfernt von mir stehen. „Seht mal an, wenn wir hier haben! Wenn das nicht das kleine Flüchtlingsmädchen ist“, sagt der Junge, welcher der Anführer der Bande sein könnte, gehässig. Ein großer, dünner Junge macht einen Schritt auf mich zu und fragt: „Wie ist doch gleich dein Name? Fatima? Aishe?“, und beginnt lauthals zu lachen. Die Jungs besuchen dieselbe Schule, wie ich auch seit zwei Wochen. Mir ist unwohl und wende mich gerade ab, um nach Hause zu gehen, doch der etwas mollige und kleinste von den dreien hält mich am Arm fest. „Wo willst du denn so schnell hin? Du hast uns noch gar nicht gezeigt, welche hübschen Sachen du in deiner Tasche hast“, spricht der Anführer. Dies scheint wohl ein Zeichen für die Burschen zu sein, denn sogleich reißen sie mir meine Stofftasche aus der Hand und fangen an darin herum zu kramen. Ich bin so geschockt, dass ich mich nicht bewegen kann. Erst als der große, dünne das Windlicht herausholt, kehrt Leben in meine Glieder und ich versuche mir meine Sachen zurück zu holen. Da lässt er das Geschenk für meine Mutter achtlos auf den Boden fallen. Der kleine, mollige Bub zieht meine Bücher heraus, zeigt sie lachend seinen Freunden und meint: „Diese Kinderbücher habe ich das letzte Mal in der Volksschule gelesen. Typisch Ausländer! Sind so dumm, wie Stroh.“ „Geh dorthin zurück, von wo du gekommen bist! Wir wollen dich hier nicht haben!“, schreit der größte von den dreien. Ich spüre, wie mir Tränen die Wangen hinunter laufen. Ich möchte doch hier nur in Frieden leben, ohne Krieg und Armut. Offensichtlich bin ich auch hier nicht willkommen. „Lasst sie in Ruhe oder ich rufe die Polizei!“ ruft ein Mädchen und zückt ihr Handy zum Beweis. Ungewiss, ob sie es wohl ernst meint, bleiben sie unschlüssig stehen, entscheiden sich dann, aber doch für die sichere Variante.

„Hallo, ich heiße Emma! Diese Jungen sind echt Idioten“, sagt das Mädchen. „Ich bin Charda“, antworte ich. Emma hilft mir meine Sachen aufzusammeln und bietet mir an, das Windlicht bei ihr Zuhause mit Heißklebepistole zusammen zu kleben.

Ob sie wohl meine neue beste Freundin werden könnte?