Bildungszentrum Kenyongasse
Schwestern vom göttlichen Erlöser

03.10.2017

Besuch der Zeitzeugin Gertraud Fletzberger

Am 13.09.2017 besuchte die Zeitzeugin Gertraud Fletzberger im Rahmen des Projekts "Geschichte Wiens" das Bildungszentrum Kenyongasse und sprach dabei vor den Schülerinnen und Schülern der NMS 4a über ihre Erlebnisse.

Gertraud Fletzberger wurde 1932 unter ihrem Mädchennamen Propper in Wien
geboren. Sie war als Augenzeugin dabei, als Adolf Hitler am 15. März 1938
inmitten seiner Wagenkolonne die Mariahilferstraße unter ohrenbetäubenden
„Heilrufen“ die versammelten Menschenmassen entlangfuhr. Von diesem Tag an
wurde für ihre bis dahin glückliche Familie schrittweise alles anders.

Schließlich war es für die Familie klar, dass nur noch der Weg in die
Emigration blieb. Nachdem es nicht gelungen war, für die gesamte Familie
Visa zu erhalten, beschlossen ihre Eltern zunächst ihren zehnjährigen
Bruder, ihre fünfjährige Schwester und sie mit einem Kindertransport der
Schwedischen Israelmission nach Schweden zu schicken. Die Kinder wurden in
verschiedenen Familien in unterschiedlichen Städten untergebracht. Nachdem
Gertraud Fletzberger fast zwei Jahre bei ihren Pflegeeltern gelebt hatte,
konnte sie von ihrer Mutter, die nach Schweden gekommen war und eine sehr
bescheidene Wohnung gemietet hatte, aufgenommen werden.

Die ganze Zeit in Schweden war durch die Angst und Sorge um das Überleben
ihres Vaters, der zuerst in Italien, dann in Frankreich auf der Flucht vor
den Nationalsozialisten war, geprägt. Wie durch ein Wunder überlebte er, und
erst 1947 war die Familie wieder in Wien vereint.

 Schwedisch war zu ihrer „Muttersprache“ geworden, Deutsch musste sie wieder
lernen, deshalb wurde sie als „Rückwanderin“ zu einer Fremden im eigenen
Land.

www.erinnern.at

Text/Fotos: P. Mimra