Bildungszentrum Kenyongasse
Schwestern vom göttlichen Erlöser
24.01.2019

Unser Besuch im Museum für Literatur Wien

Am Mittwoch, den 9.1.2019, besuchte unsere Klasse (2c) das Museum für Literatur im 1.Bezirk.

Das Museum befindet sich in einem alten Archiv, welches hauptsächlich noch im Originalzustand ist. Um uns die Literatur Österreichs näher zu bringen, wurde uns zuerst ein kleiner Einblick in die Geschichte des Hauses und der damaligen Lage gegeben. Nach dieser Einführung begaben wir uns in den ersten Stock des Hauses. Dort beschrieb uns die engagierte Führerin den Begriff Literatur. Sie bezeichnete sie als "gestaltete Sprache". Mit diesem Vorwissen gab sie uns später Einblick in das Leben einiger österreichischer Autoren und Autorinnen der damaligen Zeit. Im Museum sind zahlreiche Objekte ausgestellt, die entweder eine wichtige Bedeutung im Leben des Künstlers trugen oder als Inspiration für neue Werke galten. Viele Autoren machten sich die Sorgen und Bedenken der Bevölkerung zu Nutze, um daraus neue Literatur zu schaffen. Doch auch Werke, die sich mit dem damals herrschenden Zweiten Weltkrieg befassten, waren sehr beliebt. Ein für uns sehr interessanter Aspekt der Führung war jedoch der Vortrag über die verschiedenen Arten, eine Geschichte zu verfassen. Manche Autoren bevorzugten es, sich Notizen zu machen, um einen gegliederten Aufbau zu erarbeiten, andere schrieben einfach drauf los und fügten die Teile am Ende erst zusammen. So entwickelten sich viele verschiedene Arten des Schreibens. Als Abschluss der lehrreichen Führung war dann unser eigenes Schreibvermögen gefragt. Wir bekamen den Auftrag eines der vielen Objekte zu wählen und uns eine kurze Geschichte zu diesem Objekt zu überlegen. So befasste sich jeder mit dem Ausstellungsstück, welches am meisten Interesse geweckt hatte.

 

Schüler/innentexte:

 

Der Revolver von Ferdinand von Saar (Elin, Linda, Alwine)

Es war wieder ein langweiliger Tag in der Schublade. Geladen lag ich da, mit Staub und Dreck bedeckt. Plötzlich hörte ich Schritte. Sie wurden lauter und lauter, bis jemand die quietschende Schublade aufschob. Meine Revolvertrommel drehte sich... 1, 2, 3. Er legte den Finger auf den Abzug, ich sah im direkt ins Gesicht. Ein heller Blitz blendete mich und ich viel zu Boden.

Der Kaffeehaussessel (Babsi und Anja)

Mein Leben als Kaffeehaussessel ist sehr angenehm

und für alle, die sich auf mich setzen, bin ich sehr bequem.

Jeden Morgen werde ich wieder hergeräumt,

während die Milch schon fleißig schäumt.

Ich höre viel den ganzen Tag,

von Leuten, die sitzen vor einem Kaffee mit Schlag.

Schlürfen hier und Schlürfen da,

warum Menschen so was trinken, ist mir nicht ganz klar.

Manchmal fallen Kuchenbrösel auf mich,

das macht mich froh, denn ein Schleckermäulchen bin ich.

Sehr einsam bin ich in der Nacht,

was mir keine Freude macht.

Morgens, wenn ich nicht mehr alleine bin,

kommt mir wieder Gutes in den Sinn.

 

Peter Handkes Postkarten von seinen Reisen (Amelie)

Im März 1976 begann Peter Handke mit dem Schreibprojekt "Ins tiefe Österreich". Dieses Projekt ist 8 Notizbücher lang. Allerdings ist zu Beginn kein Schreibplan erkennbar, das heißt, dass das viel mehr spontane Ideen und Notizen von Wanderungen und Reisen sind. Seine zweimonatige Recherchereise durch Österreich führte vom nördlichen Waldviertel bis nach Vorarlberg. Aus diesem Projekt heraus entwickelte sich eine lockere Tetralogie, unter anderem aus den Erzählungen "Langsame Heimkehr" (1979) und noch vielen weiteren. Die Fotos stehen in Zusammenhang mit Handkes nicht so realistischem Schreibprojekt.

 

Der Revolver von Ferdinand von Saar (Nikolas)

Es begann alles an einem heißen Sommertag im Jahr 1906. Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als Ferdinand von Saar sich auf den Weg zu seiner Arbeit machte.

Er war ein armer Mann und arbeitete Tag und Nacht in seinem Büro an einem Roman. Er brauchte dringend Geld, da er die Miete seiner ärmlichen Wohnung schon mehrere Monate nicht bezahlt hatte. Er kam gut voran mit seinem neuen Meisterwerk und malte sich den großen Erfolg und Wohlstand aus, der auf ihn wartete.

Schon einige harte und anstrengende Tage später hatte er es vollbracht. Guten Gewissens machte er sich auf den Weg zum Zensor, um das Urteil über seinen Roman zu erhalten. Er legte dem Zensor nahe, dass es von größter Wichtigkeit wäre, schnellstmöglich eine Freigabe zum Drucken zu erhalten.

In den nächsten Tagen konnte er es kaum erwarten, endlich nicht mehr jeden Cent zwei Mal umdrehen zu müssen. Am Freitag, den 25. Juli, ging er wieder zum Zensor und holte sich dessen Urteil. Es wurde ihm nicht genehmigt, den Roman zu drucken.

Das Unglück überkam ihn und alle seine Träume wurden auf einmal zerschlagen. Er sah keinen Sinn mehr im Leben und entschied sich, das Leben zu nehmen.

Kurz darauf tat er es mit seinem Revolver.

 

Bericht verfasst von Nikolas, Florian, Tiglat (Begleitlehrerinnen/Foto: Mag. Prela und Mag. Weninger)